18.Juni 2018

Rollstuhlprojekt

Mit dem Rollstuhl durch Bendorf

WRG Rollstuhlprojekt1Am 24. Mai sowie am 06. Juni testeten zwei achte Klassen des Wilhelm-Remy-Gymnasiums unter Anleitung des schulischen Physiotherapeuten Herrn Steiger Bendorf auf seine Barrierefreiheit. Dafür benutzten sie die schuleigenen Rollstühle und stellten sich den Herausforderungen und Aufgaben, denen Rollstuhlfahrer alltäglich begegnen.

Nach einer kurzen theoretischen Einführung durch Herrn Steiger und zwei Schüler des WRG mit körperlicher Beeinträchtigung ging es nach draußen. Dafür wurden die Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt, um möglichst vielfältige Erfahrungen sammeln zu können. Sie fanden Antworten auf folgende Fragen: Sind die Geschäfte in Bendorf ebenerdig und die Türen breit genug, um mit dem Rollstuhl hineinzufahren, oder gibt es Rampen? Was mache ich, wenn ich in einem Restaurant mit dem Rollstuhl auf Toilette muss? Gibt es genügend Möglichkeiten, die Straßen zu überqueren, ohne sich dabei einer Gefahr auszusetzen? Wie ist es um die Barrierefreiheit des Rathauses bestellt? Sind Bordsteine und kleine Stufen mit dem Rollstuhl überwindbar?

Insgesamt überwogen die positiven Erfahrungen, jedoch trafen die Schülerinnen und Schüler auch auf unüberwindbare Barrieren. So bleibt z.B. der Zugang zur Stadtbibliothek und somit auch zu Räumlichkeiten der VHS Rollstuhlfahrern verwehrt. Auch die Situation am Rathaus und der Stadtverwaltung ist problematisch. Zwar besteht ein Aufzug für eines der Gebäude, jedoch ist die Nutzung sehr umständlich und somit haben auch Menschen mit Rollator oder Kinderwagen Schwierigkeiten die vielen Stufen zu überwinden.

WRG Rollstuhlprojekt2Eine besondere Herausforderung ist es in Bendorf eine barrierefreie Toilette zu finden, besonders weil es keine öffentliche Toilette im Stadtzentrum gibt. Trotz der aufgeführten Probleme, trafen die Schülerinnen und Schüler auf Verständnis für ihr Anliegen, und Passanten boten oft spontan ihre Hilfe an. Das Bewusstsein für die Situation und Probleme zu schärfen, mit denen sich Rollstuhlfahrer in ihrem täglichen Leben auseinandersetzen müssen, war ein zentrales Anliegen. Und so erreichten die Schülerinnen und Schüler zumindest bei einigen Inhabern, sich über die Anschaffung einer Rampe Gedanken zu machen.

Nach dem Praxistest wurden die Erfahrungen gemeinsam im Klassenzimmer reflektiert und Erlebnisse untereinander ausgetauscht. Insgesamt haben beide Klassen ein positives Fazit gezogen, auch wenn Bendorf noch viel tun kann, um bestehende Barrieren abzubauen.

Für die Schülerinnen und Schüler war dieses Projekt sehr gewinnbringend, da es die Sozialkompetenz schulte. Durch den Perspektivwechsel mit körperlich Beeinträchtigten, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wurde die Empathiefähigkeit der Schülerinnen und Schülern gefordert und gefördert.

Abschließend möchten wir noch einen besonderen Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäfte, des Rathauses und der Arztpraxen richten, die uns bereitwillig Auskunft gegeben haben und so dieses großartige Projekt mit ermöglicht haben.

(Helena Kapell)