22.September 2018

Studienfahrt Rom

Rom 2018 01Literarische Studienfahrt nach Rom 2018

„Anderer Orten muß man das Bedeutende aufsuchen, hier werden wir davon überdrängt und überfüllt.“

Mit diesen Worten beschrieb Johann Wolfgang von Goethe die Eindrücke, die er auf seiner Reise nach Rom gesammelt hatte. Und wer die „Ewige Roma“ einmal besucht hat, der weiß, weshalb Goethe schon damals, vor über 200 Jahren, so sehr ins Schwärmen verfiel.

Auf die Spuren Goethes, vor allem aber der antiken römischen Schriftsteller, machten sich im Juni 2018 auch die Lateinschüler der elften Jahrgangsstufe des Wilhelm-Remy-Gymnasiums, begleitet von den Lateinlehrern Herrn Prill und Herrn Civello, um das politische Zentrum der Antike literarisch zu erkunden. Blicken wir noch einmal zurück auf fünf lehrreiche, intensive und harmonische Tage in der italienischen Hauptstadt:

Nachdem wir bei unserer Ankunft am Flughafen Roma Ciampino von strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und warmen Temperaturen empfangen und mit dem Shuttlebus zu unserer Unterkunft, dem Camping Village Roma, gebracht worden waren, checkten wir ein und machten uns nach einer kurzen Besprechung und dem Bezug der Zimmer auf zu einer ersten Erkundungstour durchs abendliche Rom: Überwältigt von dem Anblick, den uns das im Rot der Abendsonne strahlende Kolosseum bot, begannen wir einen abendlichen Spaziergang vorbei am Forum Romanum, den Kaiserforen, der Piazza Venezia mit dem beeindruckenden Altare della Patria und dem Teatro Marcello, wo wir ein interessantes Referat über Ovids Ars amatoria hören durften. Schließlich gelangten wir ins lebendige Viertel Trastevere, wo das italienische Dolce Vita zum Greifen nahe schien: Der Versuch, einen Bus zurück in Richtung unserer Unterkunft zu nehmen, erwies sich trotz fortgeschrittener Stunde (es war mittlerweile weit nach Mitternacht) aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens als aussichtsloses Unterfangen. Mit der Metro gelangten wir schließlich doch noch - überwältigt von den ersten Eindrücken dieser wunderbaren Stadt - in unserer Unterkunft an.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, besuchten wir den Vatikan und konnten dort das Angelusgebet des Papstes live miterleben. Ein lehrreicher Vortrag über die vierzehn Obelisken Roms rundete den Besuch auf dem Petersplatz ab. Bezeichnete mancher den mühevollen und mitunter abenteuerlichen Aufstieg auf die Kuppel des Petersdoms anfangs noch als „Zeitverschwendung“, so wurden wir spätestens durch den wundervollen Ausblick auf die Dächer Roms, der alle Anstrengung vergessen ließ, reich belohnt. Im Anschluss gelangten wir nach einem langen Spaziergang entlang des Tibers und vorbei am Circus Maximus, der einst größten Wagenrennbahn Roms, zum Aventin, einem der sprichwörtlichen sieben Hügel der Ewigen Stadt. Dort riefen wir uns die literarischen Schilderungen der Stadtgründung in Erinnerung, ehe wir bei einem Blick durch das berühmte Schlüsselloch die Kuppel des Petersdoms, auf der wir am Mittag noch selbst gestanden hatten, erkennen konnten.

Rom 2018 02Am Tag darauf stand vormittags eine Besichtigung des Forum Romanum, der Machtzentrale des antiken Rom, auf dem Programm. Eindrucksvoll ließen hier zwei Referenten die wohl berühmteste Persönlichkeit der römischen Antike, den Feldherrn und Politiker Gaius Julius Caesar, beinahe wieder lebendig werden. Danach stiegen wir auf den Palatin, einen weiteren der septem montes Romae, von wo aus sich uns ein grandioser Blick auf das Forum Romanum, die Kaiserforen und die Via Sacra eröffnete. Nachdem wir uns von dem Panorama gelöst hatten, besichtigten wir das wohl bekannteste Bauwerk der Antike, das Kolosseum, und lauschten zwei weiteren informativen Darbietungen über die Geschichte des Kolosseums sowie über die Triumphzüge im alten Rom.

Am Mittwoch stand schließlich ein Spaziergang durch Roms Centro Storico auf dem Programm, natürlich inklusive der berühmten Sehenswürdigkeiten Fontana di Trevi, Pantheon und Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona. Dann stiegen wir über die spanischen Treppen hinauf in den Park der Villa Borghese, von wo aus wir einen atemberaubenden Ausblick über die Piazza del Popolo hinweg auf die Dächer und Kuppeln der Altstadt Roms genießen konnten. Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft eröffnete sich uns noch einmal der Blick auf den in der Dunkelheit beleuchteten Petersdom, ein wahrlich atemberaubender Anblick.

Am Donnerstag fuhren wir mit dem Zug in das rund 50 Kilometer südlich von Rom gelegene Hafenstädtchen Anzio, die Geburtsstadt des berühmt-berüchtigten römischen Kaisers Nero. Im Angesicht der Ruinen des von ihm erbauten Palastes, der direkt am Strand nur wenige Meter von der Brandung des Mittelmeers entfernt gelegenen war, erfuhren wir mehr über eine der wohl berühmtesten Legenden der römischen Antike, den Großen Brand Roms im Jahre 64 n. Chr., der angeblich von Nero selbst in Auftrag gegeben worden sein soll.

Wieder zurück im Camping Village Roma angelangt, verbrachten wir einen letzten gemeinsamen Abend in der Hauptstadt Italiens, denn am darauffolgenden Tag hieß es Abschied nehmen von der Ewigen Roma. Die bedrückende Stimmung des Abschieds, derer sich nach diesen lehrreichen und intensiven Tagen in einer harmonischen Gruppe niemand mehr entziehen konnte, wurde schließlich noch umrahmt von einem letzten Referat über Auszüge aus Goethes bereits zu Beginn zitierter Italienische[r] Reise sowie Ovids Tristien, in denen die beiden Autoren ihrem Schmerz und ihrer Trauer angesichts ihres Abschieds aus der Ewigen Stadt freien Lauf lassen. In ihre Gefühle konnten wir uns nun nur allzu gut hineinversetzen.

Abschließend möchten wir uns noch einmal sehr herzlich beim Förderkreis des WRG bedanken, der unsere Reise mit einem großzügigen Zuschuss unterstütze.

Jonas Westphal (MSS 12)