16.Mai 2018

Zeitzeugen Shoa

zeitzeugen2018 01Zeitzeugenbegegnung am 09.04.2018 mit der Shoah-Überlebenden Henriette Kretz

Durch die Kooperation mit dem Haus Israel (Herrn Udo Winkler) hatten die Schüler der 9a und des Grundkurses 12 seg die Möglichkeit, die Holocaust-Überlebende Henriette Kretz kennenzulernen.

Frau Kretz, die durch ihr autobiographisches Werk „Willst du meine Mutter sein?“ bekannt wurde, ist Jahrgang 1934 und entstammt einer jüdischen Familie aus Polen. Ihr Vater war Arzt. Beim Einmarsch der Deutschen in Polen 1939 floh die Familie aus Mittelpolen nach Lemberg in der Sowjetunion.  Mit dem Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion wurde die Familie aus ihrer Wohnung vertrieben. Es folgten Umsiedlungen in Ghettos. Ihren Eltern, insbesondere dem Vater, einem Facharzt für Tuberkulose, gelang es, die Familie vor Exekutionen zu bewahren. Ebenso wurde die Familie aus dem Gefängnis befreit. Dennoch musste Henriette erleben, wie ihre Eltern vor ihren Augen von den Nazis erschossen wurden.

Die Soldaten begannen den Revolver zu ziehen, mein Vater schrie mir zur: 'Lauf!'. Ich begann zu laufen und dann hörte ich Schüsse, dann hörte ich meine Mutter schreien, dann hörte ich weitere Schüsse und dann hörte ich schon gar nichts. Und dann wusste ich, dass ich keine Eltern mehr habe."

Für die Schülerinnen und Schüler war diese Schilderung ein besonders ergreifender Moment.  Henriette Kretz überlebte die Zeit des NS-Terrors in einem Nonnenkloster.

zeitzeugen2018 02Nach Ende des Krieges zog sie nach Antwerpen. Sie studierte Kunstgeschichte, lebte und arbeitete als Französisch-Lehrerin in Israel, bis sie nach dreizehn Jahren Aufenthalt in Israel nach Antwerpen zurückkehrte.

Henriette Kretz ist eine der letzten Zeitzeugen des Holocaust und macht es sich zur Lebensaufgabe gegen das Vergessen anzukämpfen ohne Verbitterung oder Hass. Die Schülerinnen und Schüler waren von ihrem dreistündigen Vortrag, angereichert mit anschaulichem Bildmaterial, sehr angetan. Neben den persönlichen Schilderungen vermittelte sie Kenntnisse über die Rassegesetze, das Terrorsystem und die Propaganda der Nazis.

Beeindruckend für die Schülerinnen und Schüler war, dass Frau Kretz die Grausamkeiten zwar persönlich schilderte, ohne jedoch zu verurteilen. Vielmehr ging sie mit ihrem Publikum der Frage nach, wie Menschen zu solchen Gräueltaten in der Lage sein können, sei es die systematische Verfolgung der Juden in der NS-Zeit oder aktuell die Giftgasangriffe in Syrien.  Somit wurde den Schülerinnen und Schülern bewusst, dass die Geschichte lebt, nicht nur in den Texten aus Geschichtsbüchern, sondern in den Menschen, die die Geschehnisse persönlich erfahren haben.

( - D. Wüsten - )