27.August 2019

Projekttage Pyrenäen

Ein kleines, nachhaltiges Abenteuer in den französischen Pyrenäen (Juni 2019)

Pyrenäen 2019Show GalleryIn der letzten Schulwoche vor den diesjährigen Sommerferien fanden am Wilhelm-Remy-Gymnasium Projekttage zum Thema „Nachhaltigkeit“ statt. Für eine kleine, aber feine Gruppe interessierter Schülerinnen und Schüler aus der 11. Jahrgangsstufe ging es in die Ferme des Trois Sapins in den französischen Pyrenäen. Der Hof, ausschließlich mit Solarenergie betrieben, liegt sehr idyllisch auf dem Plateau du Bergons, einer waldreichen Hochebene oberhalb des Städtchens Argelès-Gazost, umgeben vom Pibeste-Bergmassiv, eine halbe Autostunde von dem bekannten Wallfahrtsort Lourdes entfernt. Claudine Thévin, die Betreiberin des Hofes, hatte uns eingeladen, Erfahrungen mit Nachhaltigkeit unmittelbar und vor Ort zu erleben. So stürzten sich Moritz, Jonas B., Julia, Nils, Sebastian, Jonas L., Maarten und Jil, begleitet von Frau Mattern und Frau Niebauer, ins Abenteuer! Mit schweren Rucksäcken, die doch nur das Nötigste enthielten, Isomatte und Schlafsack bepackt machten wir uns am Samstag, dem 22.6. um 7h00 früh über Luxemburg Richtung Paris auf den Weg. Unseren mehrstündigen Aufenthalt in Frankreichs Hauptstadt nutzten wir zu einem Spaziergang an der malerischen Seine, von wo wir aber auch sehr deutlich die schrecklichen Zerstörungen betrachten konnten, die der große Brand vom April an der Kathedrale Notre-Dame hinterlassen hat.

Weiter ging es dann mit dem TGV nach Lourdes, wo uns der freundliche Yves mit einem Kleinbus abholte und in einem Affenzahn über die kurvenreiche Straße hinauf in die Berge fuhr. An den mächtigen drei Tannen, die der Ferme ihren Namen gaben, wurden wir ausgeladen und bewältigten den Rest der Strecke über den holprigen Fahrweg zu Fuß. Bald hatten wir es geschafft und wurden von unserer Gastgeberin sehr herzlich mit einer Tisane aus dem eigenen Kräutergarten empfangen. Die Schüler schliefen in einem eigens für unseren Aufenthalt aufgebauten großen Zelt; eine in verschiedener Hinsicht neue Erfahrung... (Anderntags führte die - erfolgreiche - Jagd auf Fliegen im Zelt übrigens zur Zertrümmerung eines durchaus soliden Besenstiels.) Wir konnten jeden Tag ausschlafen und nahmen unsere leckeren Mahlzeiten aus regionalen, ökologisch erzeugten Produkten unter der Eiche neben dem Haus ein, wo es trotz der Hitze immer angenehm kühl war. (Die mächtige Eiche neben dem Hoftor mit der romantischen Bank darunter war der Ort für möglichen Netzempfang, um mit der Zivilisation in Kontakt zu treten…) Claudine zeigte uns, wie man Beete für Gemüse und Salat anlegt und natürlichen Humus erzeugt. Das Graben legte ungeahnte Kräfte frei und musste morgens erledigt werden, da es danach einfach zu heiß wurde. Nachmittags entstanden unter Claudines Anleitung aus verschiedensten natürlichen und Recyclingmaterialien ein Gatter, ein Insektenhotel und eine Abdeckung für das Tomatenbeet. Dabei zeigte sich, welch erstaunliches kreatives und innovatives Potenzial in unseren Schülern schlummert! Zur Abkühlung und auch zur Linderung von Sonnenbrandschmerzen gingen die Unerschrockenen unter uns in den Bergons, der an einigen Stellen tief genug ist zum Untertauchen und für Schwimmbewegungen. Eiskalt und wunderbar! An einem Abend erstiegen wir den Mont de Gez, von wo sich uns ein fantastischer Ausblick auf die umliegenden, zum Teil noch schneebedeckten Berge bot. Ein Sturz mit aufgeschlagenem, blutigem Knie wurde sehr tapfer ertragen, wir erreichten gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang den Gipfel und konnten wunderschöne Fotos machen – manche Aufnahmen dokumentieren einen erstaunlichen Muskelzuwachs in kürzester Zeit : - ) Der Abstieg erfolgte im schwindenden Tageslicht und dann mit Taschenlampen. Am letzten Abend saßen wir noch eine ganze Weile gemütlich am Lagerfeuer und wollten eigentlich nicht an Abschied denken.

Trotzdem hieß es am Mittwoch, den 26.6. „Au revoir“ und wir mussten den Heimweg antreten. Bei unserem Aufenthalt in Paris war es diesmal so heiß und ein Saharawind fegte dermaßen durch die Stadt, dass wir statt des geplanten Abstechers zum Eiffelturm eine Pause unter schattenspendenden Bäumen in den Tuilerien einlegten, die uns immerhin einen spektakulären Blick auf den Eiffelturm und den Arc de Triomphe gewährte. Und da SNCF und Deutsche Bahn uns jeweils pünktlich (!) ans Ziel brachten, kamen wir wie vorgesehen gegen 22h00 wohlbehalten im heißen Koblenz an. Ein erfrischendes Bad im Bergons wäre jetzt genau das Richtige gewesen!

Fazit: Wir haben viel über ökologische Bewirtschaftung von Feldern, sorgsamen Umgang mit Ressourcen (hmmm…irgendwann versiegte das warme Wasser in den Duschen!!) sowie regionale Kräuter und Pflanzen gelernt, außerdem natürlich unsere Französischkenntnisse erweitert („Ah oui oui“, „le marteau“, „la brouette“, „le bois“, „la terre est meuble“) und – ebenfalls ganz wichtig - hatten unglaublich viel Spaß! Es wäre wunderbar, wenn diese Reise auch nachhaltig in dem Sinne wäre, dass wir versuchen, Gelerntes und Erlebtes in unserem eigenen Alltag umzusetzen und auf einen bewussteren Umgang mit unseren Ressourcen in unserem engeren und weiteren Umfeld hinzuarbeiten!   

Wir möchten uns ganz herzlich bei dem Förderverein des WRG bedanken, ohne dessen freundliche finanzielle Unterstützung unsere Reise schwerlich durchführbar gewesen wäre. Ein ganz besonderer Dank gebührt natürlich unserer Gastgeberin Claudine für ihr riesengroßes Engagement, für ihr Bestreben, uns ihr tiefes Wissen um natürliche Zusammenhänge weiterzugeben, und für ihre herzliche Gastfreundschaft, die uns diese Reise voller unvergesslicher Eindrücke ermöglichte. UN GRAND, GRAND MERCI - wenn wir dürfen, kommen wir wieder!  

(Elke Mattern)