09.September 2019

Ewige Stadt

Auf dem Forum Romanum
Auf dem Forum Romanum
Kolosseum bei Nacht
Kolosseum bei Nacht
Im Kolosseum
Im Kolosseum
Auf der Kuppel des Petersdoms
Auf der Kuppel des Petersdoms
Flugzeugstaffel
Flugzeugstaffel "Frecce Tricolori"
Gemeinsames Abendessen
Gemeinsames Abendessen
Im Kapitolinischem Museum
Im Kapitolinischem Museum
Auf dem Palatin
Auf dem Palatin
Blick über die Stadt
Blick über die Stadt
Marcellus-Theater
Marcellus-Theater
Rennen im Circus
Rennen im Circus
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Auf den Spuren der alten Römer

Lateinkurs auf literarischer Entdeckungsreise in der Ewigen Stadt

„Anderer Orten muss man das Bedeutende aufsuchen, hier werden wir davon überdrängt und überschüttet.“ Diese Zeilen schrieb Johann Wolfgang von Goethe in sein Tagebuch, als er am 7. November 1786 in Rom weilte. Die Stimmung, die in diesen Worten anklingt, konnten auch die Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Latein der MSS 11 allzu gut nachempfinden, als sie am Ende des vergangenen Schuljahres eine Woche lang die Schönheit der italienischen Hauptstadt bestaunen durften.

Unter der Leitung der beiden Lateinlehrer Claudio Civello und Matthias Prill war die Reise monatelang vorbereitet worden, alle Teilnehmer waren von Anfang an in die Organisation und Planung eingebunden. Finanzielle Unterstützung erfuhr das Vorhaben durch den Förderkreis des WRG, dem alle Teilnehmer an dieser Stelle noch einmal herzlich danken.

Das Konzept der inzwischen bereits zum vierten Mal durchgeführten literarischen Studienreise besteht darin, die bekanntesten Sehenswürdigkeiten nicht einfach nur „abzulaufen“, sondern sich vor Ort mit einigen der schönsten Texte der Weltliteratur zu befassen. Folglich geht es neben den lateinischen Klassikern auch um Texte, die in der Bewunderung für die klassische Antike entstanden sind: etwa von Petrarca, Du Bellay oder eben Goethe. Intensive Vorarbeit erforderte auch dieses Mal die Erstellung eines eigenen Reiseführers, für den alle Mitreisenden mindestens eine Doppelseite mit den Texten und nützlichen Zusatzinformationen gestalteten. Vor Ort diente dieser dann als Grundlage für die literarischen Stadterkundungen. Zu den Highlights der diesjährigen Studienreise gehörten u.a. drei nächtliche Spaziergänge durchs antike Stadtzentrum. Und schon am ersten Abend stockte so manchem beim Blick auf das in der Dunkelheit beleuchtete Kolosseum vor Bewunderung der Atem. Am zweiten Tag der Reise stand der Aufstieg auf die Kuppel des Petersdoms auf dem Programm. Hier hatte man am italienischen Nationalfeiertag einen beeindruckenden Blick über die Dächer der Stadt, und zumindest einige konnten auch die von einer Flugzeugstaffel in den Himmel gezeichneten Nationalfarben live bestaunen. Genutzt wurde dieser ausgefallene Ort zudem für einen kleinen Vortrag über die Geschichte des Petersdomes und der Obelisken, die sich wie ein roter Faden durch die Stadt ziehen. Es folgten im Laufe der Woche zahlreiche weitere Referate zu den verschiedensten Epochen der römischen Literatur und Architektur sowie der Besuch der Vatikanischen sowie Kapitolinischen Museen. Für ihren Vortrag über den Circus Maximus hatten sich die Referenten etwas ganz Besonderes überlegt: auf der antiken Rennbahn ließen sie ihre Mitreisenden ein kleines Rennen austragen; auf diese Weise schafften sie es, die Atmosphäre des von ihnen vorgestellten Pliniusbriefes lebendig werden zu lassen. Und natürlich ließen es sich die Schülerinnen und Schüler hier nicht nehmen, die in der Ars amatoria studierten Flirttipps eines Ovid vor Ort auszuprobieren. Nach einer erlebnis- und ereignisreichen Woche bei traumhaftem Wetter fiel der Abschied aus der Ewigen Stadt natürlich wahrlich nicht leicht, zumal Lateinlehrer Civello am Flughafen seine Zuhörer auch noch die überaus traurige Stimmung des 8. n. Chr. aus Rom verbannten Dichters beim Abschied aus seiner Heimat eindrucksvoll nachempfinden ließ: „Wenn mir das – ach! – so traurige Bild jener Nacht wieder einfällt, welche der letzte Rest Zeit in meiner Stadt für mich war, wenn ich erinner‘ die Nacht, in der so viel Liebes ich da ließ, fließt aus den Augen auch jetzt mir eine Träne heraus.“ Für Ovid gab es leider kein Zurück, die Lehrer und vermutlich auch ihre Schülerinnen und Schüler werden (irgendwann) wiederkommen. Die Vorbereitungen für die nächste Studienfahrt laufen bereits.

(- M. Prill -)